Donnerstag, 19. Januar 2017

Anton Leiss-Huber - Fastenopfer

5 von 5 🌟 gelungener Krimi mit genialen, sympathischen Kommissar

Tödliche Fastenzeit

In Altötting wird die österliche Fastenzeit noch ernstgenommen – zumindest von den Geistlichen. Der Rest der Gemeinde gibt sich der gemĂŒtlichen Völlerei hin. Doch fĂŒr den Verstoß gegen das Fastengebot muss einer gleich mit dem Leben zahlen: Der Verwalter des »Tilly-Benefiziums« liegt tot in der Kapelladministration. Kommissar Max Kramer versucht Licht ins Dunkel zu bringen, lĂ€sst sich aber von der attraktiven StaatsanwĂ€ltin ablenken. Derweil stĂ¶ĂŸt seine Jugendliebe Maria Evita auf eine ganz eigene Spur …
Als der Verwalter des Tilly – Benefiziums erstochen im BĂŒro der Stiftung liegt, wĂ€lzt sich Kommissar Kramer grade mit einem Mordskater aus seinem Bett. Der Kehraus war dieses Jahr besonders hart und wie ausgerechnet die StaatsanwĂ€ltin, an deren Vornamen er sich nicht mehr erinnert, in sein Schlafzimmer kam, liegt im Dunkeln. Aber es hilft nichts, die Arbeit ruft.
Vielleicht liegt es an der Fastenzeit und den EinschrĂ€nkungen, die damit einhergehen, Max Kramer und sein Kollege stochern im Nebel und finden nur wenige Anhaltspunkte und noch weniger ZusammenhĂ€nge. Manche Spur weiß der Leser schneller zu deuten, als die Polizei. Gut dass Novizin Schwester Maria-Evita ihrer Jugendliebe Max mit Sachverstand unter die Arme greift.
Beim Regionalkrimi besteht oft die Gefahr, dass der Humor zum schenkelklopfenden Witz gerĂ€t. Gott sei Dank – in den Altötting Krimis von Anton Leiss-Huber passiert das nicht. Der Humor ist manchmal zwar etwas derb, aber er passt gekonnt zum Krimi. Max Kramer und seine Mitstreiter sind sympathisch und menschlich gezeichnet, man kann sich gleich richtig ein Bild von ihnen machen. Der Sprachstil ist witzig und flĂŒssig, dazu ein dezent bayerischer Zungenschlag, der ĂŒberhaupt nicht aufgesetzt wirkt, das macht den Krimi zu einem echten LesevergnĂŒgen. Auch die Krimihandlung kommt nicht zu kurz, Motive und HintergrĂŒnde entrĂ€tseln sich zum Ende sehr schlĂŒssig. Wenn man dann im Internet etwas nachliest, wird man schnell merken woher der Autor die Inspiration fĂŒr diesen gelungen Krimi gefunden hat.
Übrigens – das Tilly Benefizium gab es wirklich und wurde erst vor wenigen Jahren abgeschafft. Ein Beweis dafĂŒr, dass bei den Katholiken die Ewigkeit inzwischen auch nur noch knapp 400 Jahre dauert.

Ich habe das Buch auf 4 Stunden nahezu verschlungen. Da ich auch den Ort der Handlungen kenne ist es umso interessanter fĂŒr mich. Aber auch fĂŒr diejenigen, die Altötting nicht kennen ist das Buch ein absolutes MUST-HAVE, wenn sie auf Witz und Krimi in einer gekonnten Paarung stehen. Ich habe mich köstlich amĂŒsiert und hĂ€tte am liebsten gerne sofort gefĂŒhlte 10 Fortsetzungen. Der Hauptprota ist intelligent und sympathisch beschrieben, man fiebert direkt mit, das Cover hat mich zunĂ€chst nicht gekriegt, aber der BuchrĂŒcken dafĂŒr, auf NetGalley gefunden und fĂŒr seht gut befunden