Samstag, 21. Januar 2017

Philipp Kerr - Wintertransfer

Rezension von M zu Wintertransfer von Philipp Kerr

3 von 5 🌟

Tja, gut geschrieben, aber leider nur fĂŒr einen ganz eingeschrĂ€nkten  Kreis  lesbar.

Erstmals im Taschenbuch. Ein Grab mitten im Stadion, ein toter Trainer, eine erbarmungslose Jagd. FĂŒr Scott Manson, Co-Trainer und Ermittler wider Willen, steht alles auf dem Spiel. Vom internationalen Bestsellerautor Philip Kerr kommt ein Thriller aus der Welt des Profifußballs, bei dem aus der schönsten Nebensache der Welt blutiger Ernst wird. Scott Manson hasst Weihnachten: volle SpielplĂ€ne, die Hektik der TransfergeschĂ€fte im Januar und Fußballspieler, die nur Drogen und Partys im Kopf haben. Sein Job als Co-Trainer ist es, die Mannschaft vom Erstligisten London City durch die Feiertage zu navigieren, und keiner macht ihn besser. Aber dann wird sein Boss, die portugiesische Trainerlegende Zarco, ermordet. Scott muss den TĂ€ter stellen, schneller als die Polizei und schneller als die Presse. Auf der blutigen Spur des Geldes gerĂ€t er immer tiefer in den Strudel von Hinterzimmerdeals und Bestechungen der Liga. Und schließlich heftet er sich dem Clubeigner mit seinen zwielichten Kontakten zur Russenmafia an die Fersen.

"Was könnte einen stimmigeren Hintergrund fĂŒr einen Kriminalroman abgeben als der moderne Fußball, dieses Multimilliarden-Business mit all seinem Glanz, aber auch mit den vielen dunklen Seiten wie den dubiosen Machenschaften von Blatters Fifa und der Schattenwelt der Spielerberater."
Marcus MĂŒntefering, Spiegel Online, 3.9.2015

Der Wintertransfer“ ist ein Buch fĂŒr ein sehr spezielles Publikum. Fußballfan allein zu sein, reicht hier nicht, man sollte Fan der Premier League, der englischen Fußballliga sein – dann, und nur dann, wird man dieses Buch lieben. Der Roman ist voll mit Fakten und Details aus der momentan reichsten und möglicherweise stĂ€rksten Liga der Welt. Philip Kerr ist entweder ein riesiger Fußballfan oder hat herausragend recherchiert. Mein GefĂŒhl sagt mir, dass ersteres zutrifft und diese Geschichte mit ganz viel Liebe zum runden Leder geschrieben wurde. Falls man hier einen packenden und actionreichen Thriller erwartet: nope. „Der Wintertransfer“ ist keineswegs ein klassischer Thriller, eher ist es ein Buch ĂŒber Fußball und ein bisschen Detektiv spielen.

Die Geschichte und Personen rund um London City ist bzw. sind, wie Kerr im kurzen Vorwort schreibt, frei erfunden. Der Rest ist allerdings – mit leichten Abstrichen – wahr, was den Wintertransfer in doppelter Hinsicht zum Geschichtsbuch macht.

Man schlĂŒpft im „Wintertransfer“ in die Rolle des Co-Trainers Scott Manson und muss gleich zu Beginn die erste Hiobsbotschaft entgegen nehmen, wo man sich dann fragt: „Ist das jetzt eine Nebelkerze? Kommt da noch was?“ - es kommt noch was, der Mord passiert nĂ€mlich erst sehr spĂ€t fĂŒr einen Thriller. Was dem Buch aber nichts ausmacht, denn es dauert eine Weile, bis Kerr einem London City und Scott Manson, der selbst eine bewegende Vergangenheit hat, vorgestellt hat. Was aber keineswegs langweilig ist. Kerr zeigt vor allem Abseits des Falles, den Manson untersucht, immer wieder, was unter dem grĂŒnen Rasen im Fußball passiert und welche negativen Auswirkungen vor allem der moderne Fußball hat, den der Autor, neben der FA, durchgehend kritisiert.

London City scheint dabei selbst eine Ausgeburt dieses modernen Fußballs zu sein. Der Klub dĂŒrfte entweder 2004 oder erst danach gegrĂŒndet worden sein, da er die Farbe der orangenen Revolution in der Ukraine trĂ€gt – dazu kommt, dass City nur ein paar Jahre spĂ€ter schon in der höchsten englischen Liga spielt, was ohne Geld – viel, viel Geld – schier unmöglich ist. Gegen Ende wird das Buch leider etwas zu kitschig und Hollywood-Like, was mir persönlich nicht wirklich gefallen hat. Dazu kommt, dass Manson mit einem iPad auf der Trainerbank sitzt, was im Fußball – in Zeiten, in denen man sich gegen jede elektronischen Hilfsmitteln auf dem Platz strĂ€ubt – verboten ist.