Sonntag, 29. Januar 2017

Tad Williams - Die Dunklen Gassen des Himmels

4 von 5 🌟 
Spitzen-Titel! Unbedingte Lesempfehlung fĂŒr alle die etwas "andere" Fantasy suchen!

Bobby Dollar ist ein Engel – und als Engel weiß er so ziemlich alles ĂŒber die SĂŒnden der Menschen. Er ist nĂ€mlich Anwalt fĂŒr die jĂŒngst Verstorbenen, um die zwischen Hölle und Himmel erbittert gekĂ€mpft wird. Neben seinen GeschĂ€ftsreisen zu den Opfern von AutounfĂ€llen, zu plötzlich an einer Herzattacke Verstorbenen treibt Bobby Dollar sich viel in himmlischen Bars und VergnĂŒgungslokalen herum. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis eines Tages die Seele eines Toten verschwunden ist. Hat 'die andere Seite' sie gestohlen – der Anwalt der Hölle? Waren es HintermĂ€nner im Himmel? Ein neues Kapitel im Krieg zwischen Himmel und Hölle beginnt, und der Engel Bobby steckt mittendrin …

Man muss nicht der grĂ¶ĂŸte Fan des Fantasy-Genres sein, um an „Die dunklen Gasse des Himmels“ seinen Gefallen zu finden. Das Buch hat alles, was eine mitreißende LektĂŒre braucht: Liebe, sinistre Verschwörungen, Action und jede Menge Humor.

Seinen großen Reiz zieht das Buch vor allem aus seiner Grundidee: Alles, was die Religionslehre des Christentums besagt, stimmt: Es gibt die Hölle und es gibt den Himmel. Bei unserem Ableben mĂŒssen wir uns vor vor einem himmlischen Richter verantworten und es wird abgewogen, ob man in den Himmel oder Hölle oder doch eher ins Fegefeuer muss.
Die AnwĂ€lte des Himmels sind dabei Engel wie etwas Bobby Dollar, der eigentlich auf den Namen Doloriel hört und ein fĂŒr einen Engel ziemlich atypisches Leben fĂŒhrt. AbhĂ€ngen in Bars, permanentes Herumblödeln und eine eher widerwillige Arbeitsmoral kennzeichnen sein tĂ€gliches Leben.
Das bei seinem Beruf auch eine gehörige Dosis Action auf der Tagesordnung steht, ist vor allem seinem Temperament und seiner großen Klappe geschuldet. So erleben wir Bobby Dollar gleich zu Beginn des Romans, wie er sich in bester Bruce-Willis-Manier durch einen BĂŒrokomplex ballert und kĂ€mpft.

Das mag auf dem Papier alles nach einem kruden Amalgam aus Action-VersĂ€tzen gepaart mit Dantes „Divina Commedia“ klingen, doch „Die dunklen Gassen des Himmels“ ist ein rundes und ĂŒberzeugendes Gesamtkunstwerk, das den Auftakt zu einer Trilogie um Bobby Dollar darstellt. Die Geschichte des ersten Bandes prĂ€sentiert sich allerdings abgeschlossen und verknĂŒpft alle losen FĂ€den miteinander.
Das Buch ist – auch dank der gelungenen Übertragung ins Deutsche durch Cornelia Holfelder-von der Tann- ein einziger Lesegenuss, der weder mit Pointen noch mit Action geizt und dabei auch die Grundidee von Himmel und Hölle schlĂŒssig erklĂ€rt. Nach und nach wird man von Bobby Dollar, dem Ich-ErzĂ€hler, in die Geheimnisse des Himmels und der Hölle und die Besonderheiten der verschiedenen Engel und DĂ€monen eingefĂŒhrt.

„Die dunklen Gassen des Himmels“ ist beste Fantasy-LektĂŒre auch fĂŒr diejenigen Leser, die normalerweise diesem Genre nicht allzuviel abgewinnen können. Ein großartiger Lesespaß, der auf eine möglichst kurze Wartedauer fĂŒr Bobby Dollar 2 hoffen lĂ€sst.