Sonntag, 5. MĂ€rz 2017

April Genevieve Tucholke - all the strangest things are true

2 von 5 🌟 guter Ansatz, aber durch die ErzĂ€hlperspektiven sehr verwirrend blödes Ende

Wink: ein bisschen seltsam, zurĂŒckhaltend, mit wildem rotem Haar und einer ausufernden Fantasie. Poppy: das schöne Biest, das alle manipuliert, aber den nicht bekommt, den sie eigentlich haben will. Midnight: ein unsicherer Junge, hin- und hergerissen zwischen beiden. Sie alle erzĂ€hlen ihre Geschichte. Eine Geschichte, in der die verrĂŒcktesten Dinge wahr sind. Was ist wirklich passiert? Jemand weiß es. Jemand lĂŒgt. Wem kannst du trauen?

Die Story ist ein Buch das aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven geschrieben ist. Wink, Poppy und Midnight erzÀhlen in kurzen Kapiteln, die schon fast Gedankenschnipsel sind, ihre Geschichte. Eine ungewöhnliche aber interessante Art eine Geschichte zu erzÀhlen, man braucht als LeserIn allerdings ein wenig Geduld. Denn die ErzÀhlschnipsel reihen sich nicht nahtlos aneinander und das Ganze wirkt ein wenig wie die Lagen einer Zwiebel. Schade dabei ist, das alle drei einfach gleich klingen. Das sind keine eigenen Persönlichkeiten zu erkennen.


Die episodenhafte ErzĂ€hlweise von All The Strangest Things Are True macht vom ersten Moment an Spaß. Es ist wie ein Puzzle das man zusammensetzen muss. Obwohl die Handlung zunĂ€chst einmal ziemlich schlicht ist, wird man leicht hineingezogen und ist neugierig bei der Sache. Es geschieht anfangs nicht viel in dieser ErzĂ€hlung. Poppy und Midnight haben ein ungesundes VerhĂ€ltnis zueinander, zwischen Wink und Midnight bahnt sich eine Freundschaft, vielleicht auch mehr an, Poppy ist eine Tyrannin und schikaniert besonders Wink sehr gerne.
Die Jugendlichen erkunden schließlich aus unterschiedlichen GrĂŒnden das alte Spukhaus im Wald und von da an ĂŒberschreiten alle bestimmte Grenzen. Die Details sind lebendig beschrieben und je weiter man kommt, desto weniger weiß man, wem man noch trauen kann. Die Autorin hat auf jeden Fall ein HĂ€ndchen dafĂŒr mit wenigen Zeilen lebhafte Bilder in den Köpfen zu erzeugen. Appetit macht sie einem auch, wenn sie mit feinen Beschreibungen von wĂŒrziger Goldmilch oder Tomaten und Mozzarella spricht. Ich kriege selten Appetit beim Lesen, aber hier ist es gleich mehrmals passiert.

Den Leser zieht es immer mehr zur zweiten Beziehung, weil sie geschickt von der Autorin in Szene gesetzt wird. Der unsichere Midnight verliebt sich in die geheimnisvolle und unterschĂ€tzte, wilde Wink und soll dafĂŒr bei Poppy bezahlen, die wiederum eigentlich auf Winks Bruder Leaf scharf ist, aber abgewiesen wurde. Doch dann holt die Autorin zum unerwarteten Gegenschlag aus und veralbert auf diese Weise den Leser. Ob das besonders geschickt ist, mag man bezweifeln.

Ich fand die Geschichte (vom Ende einmal abgesehen) eigentlich schön. Warum die Autorin sich dann anders entschied, bleibt ein RĂ€tsel. Vielleicht hatte sie romantische Geschichten satt, vielleicht wollte sie interessant erscheinen oder ein besonderes Image aufbauen. BĂŒcher schreibt man doch fĂŒr seine Leser und nicht fĂŒr die Kritik. In diesem Sinne könnte dieses Buch auch ein Eigentor sein. WĂ€re abgesehen vom Schreibstilund Ende ein ansehnlicher Roman.