Freitag, 31. MĂ€rz 2017

Tad Williams - der Drachenbeinthron

5 von 5 🌟 Ein Muss fĂŒr Fantasy Fans

Der betagte König Johan liegt im Sterben, und um die Thronfolge entbrennt ein hinterhĂ€ltiger Kampf unter seinen Söhnen Elias und Josuah. Der KĂŒchenjunge Simon,wegen seiner Zerstreutheit auch Mondkalb genannt, gerĂ€t mitten in die Auseinandersetzungen um die Herrschaft ĂŒber Osten Ard.
Im ersten Band dieses insgesamt vierteiligen Fantasy-Zyklus' lernen wir zunĂ€chst den Jungen Simon und seine Heimat, die Burg Hochhorst kennen. In einer langen EinfĂŒhrungsphase erleben wir den Alltag des Waisenjungen auf der Burg, der zunĂ€chst ein KĂŒchenjungendasein fristet, bis er schließlich vom Gelehrten Doktor Morgenes als Lehrjunge angenommen wird. Zu Simons EnttĂ€uschung lernt er hier jedoch nicht Magie, sondern vielmehr Lesen und Schreiben... UngefĂ€hr ein Jahr verstreicht, in dem wir mehr ĂŒber das Leben auf der Burg und ein wenig von den HintergrĂŒnden der Fantasywelt Osten Ard erfahren, auch einige spĂ€ter wichtige Protagonisten werden schon vorgestellt, alles aus Simons Perspektive, der wĂ€hrend dieser Zeit seine TrĂ€ume vom Heldendasein und von Abenteuern hegt. Diese werden ihm jedoch schneller erfĂŒllt, als ihm lieb ist, denn als der alte König stirbt, sein Ă€ltester Sohn Thronfolger wird und der andere plötzlich spurlos verschwindet, ist es Simon, der dessen Aufenthaltsort herausfindet und damit sein bisheriges beschauliches Leben völlig auf den Kopf stellt. Wir begleiten ihn auf einer abenteuerlichen Reise, erst auf der Suche nach einem Zufluchtsort, spĂ€ter auf einer klassischen Heldenquest mit mehreren GefĂ€hrten, als es darum geht, ein sagenumwobenes Schwert zu finden...
Das Buch beginnt wie gesagt mit recht langsamem ErzĂ€hltempo und es dauert eine Weile, ehe der Spannungsbogen steigt, dies hat mich jedoch nicht sehr gestört, denn so hat man genĂŒgend Zeit, sich in die Welt und die LebensumstĂ€nde hineinzufinden. Wenn die Ereignisse sich dann ĂŒberschlagen, ist das sehr packend erzĂ€hlt, so dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte und nach dessen Ende sofort zum Nachfolgeband greiften möchte. ( gleich auf meine Wunschliste gesetzt)Charaktere sind interessant, auch die "Guten" haben ihre Ecken und Kanten, und die Wandlung des Jungen Simon vom Burgbewohner zum Helden verlĂ€uft nicht so, wie er sich das immer vorgestellt hat, oft genug wĂŒnscht er sich wĂ€hrend seiner Reise in sein weiches Bett im Hochhorst zurĂŒck, und auch als er wirklich erste mutige Taten vollbringt, ist doch immer noch viel von einem unreifen Jungen in ihm, und sein Erwachsenwerden wird langsam und realitĂ€tsnah beschrieben (und ist mit Band 1 lange noch nicht abgeschlossen). Über die Gegner und ihre PlĂ€ne erfahren wir im ersten Band noch nicht viel, da bleibt noch genug Spannung fĂŒr die FolgebĂ€nde offen. Ebenso wie die Frage, ob und wann die Protagonisten, die am Ende in kleinen GrĂŒppchen ĂŒber das ganze Land verstreut sind, sich wohl wieder zusammenfinden.
Der ErzĂ€hlstil ist sehr geradlinig, wer sich ĂŒberschlagende Ereignisse und haufenweise Plot-twists wie in "Das Lied von Eis und Feuer" erwartet, wird von diesem Buch eher enttĂ€uscht sein, es ist eher klassische High Fantasy im Stil von "Herr der Ringe". Trotzdem ist es spannend und bietet einige Überraschungen sowie interessante Völker und Charaktere. Statt Zwergen gibt es Trolle und die Sithi, das Elben-Pendant in diesem Romanzyklus, sind von ihren Vorbildern verschieden genug, um den BĂŒchern eine eigenstĂ€ndige Stellung zu verleihen. Auch in deren Beschreibung gibt es noch genug offene Fragen, um ausreichend Vorfreude auf die nĂ€chsten BĂ€nde aufzubauen.

„Dieser Teil legt den Grundstein und erzĂ€hlt, wie der vertrĂ€umte KĂŒchenjunge Simon, genannt Mondkalb, zu Simon Schneelocke wird.
NatĂŒrlich ist das nicht neu, aber 1988, als erstmalig erschienen ist, war das Thema noch nicht in 1000 Variationen behandelt worden. Und der Zauber dieses Buches ist zeitlos. Ganz langsam wird man aus einer mĂ€rchenhaft mittelalterlichen Welt in eine Katastrophe geschickt, Wundersames geschieht, Helden sterben, ganz sicher wird die Welt untergehen, wenn nicht die drei großen Schwerter gefunden werden.

Heute traut sich kauf ein Autor mehr, dem Leser Episches zuzumuten. Ja, es ist lang und hat LĂ€ngen, aber es ist großartig erzĂ€hlt. Tad Williams malt grandiose Bilder mit Humor und wunderschöner Sprache. Geduld braucht man schon, aber es lohnt sich. Band 1 endet furios und mit einem Cliffhanger, der einen sofort zum nĂ€chsten Buch greifen lĂ€sst.
Diese Saga ist PflichtlektĂŒre fĂŒr Fantasy-Fans.

Das Cover passt ausgezeichnet zur Geschichte.

Ich möchte mich herzlichen beim Verlag Hobbit Presse und bei NetGalley Deutschland fĂŒr die zur VerfĂŒgung Stellung des Ebooks bedanken.