Sonntag, 15. Oktober 2017

Dania Dicken - Himmelsfeuer

Rezension von Melanie zu "Himmelsfeuer" von Dania Dicken

4,5 von 5 ­čîč sehr detaillierte Fantasiewelt, die einen mit offenen Armen hineinzieht

Inhalt
Die 18-j├Ąhrige Caelidh f├╝hrt ein Leben im Verborgenen: Sie geh├Ârt der Schwesternschaft der Klinge an, einer verbotenen Vereinigung von gelehrten Kriegerinnen. Ihr zur├╝ckgezogenes Leben im Exil findet ein j├Ąhes Ende, als sie von einem ├ťberfall auf ihr Heimatdorf erf├Ąhrt: Soldaten haben es verw├╝stet und ihre geliebte Schwester Fianna verschleppt, um sie dem K├Ânig als Sklavin zu bringen. Einzig Fiannas verzweifelter Ehemann bringt den Mut auf, gemeinsam mit Caelidh das Unm├Âgliche zu wagen: Sie wollen Fianna befreien. Doch das ist nur der Anfang eines beschwerlichen, gefahrvollen Weges ins Ungewisse...

Prolog
Er trug noch eine zweite Binde im Gesicht, ├╝ber dem linken Auge. Er hatte Schrammen auf der Wange, ihm fehlte ein Zahn, sein Hemd war verdreckt und zerrissen. Uilea dr├╝ckte mir seinen Dolch in die Hand.
„Iaroth, warum bist du hier?“ fragte ich und sp├╝rte, wie eisiges Entsetzen in meine Knochen kroch. Hastig l├Âste ich seine Fesseln und gab ihm seine Waffe zur├╝ck.
Sein verbliebenes Auge f├╝llte sich mit Tr├Ąnen. Wortlos umarmte er mich, dann wischte er mit der zitternden Hand ├╝ber sein Auge und schnappte nach Luft.
„Ich brauche deine Hilfe“, sagte er tonlos, w├Ąhrend er wild mit den H├Ąnden herumfuchtelte. „Caelidh... ich wu├čte nicht, was ich sonst noch tun soll.“
„Was ist los?“ Ich nahm im Augenwinkel eine Bewegung wahr und sah Gwinnath. Uilea war ebenfalls geblieben.
„Das Dorf... es ist ├╝berfallen worden. Von Soldaten. Soldaten des K├Ânigs... sie haben alles niedergebrannt. Sie haben get├Âtet und geraubt und dann...“ Seine Finger gruben sich in sein Hemd. „Sie haben Fianna mitgenommen.“
Es war wie ein Faustschlag in den Magen. Schlagartig wurde mir ├╝bel und eiskalt, mein Herz begann zu rasen, meine Finger zitterten.

„Was hei├čt das?“ fragte ich. „Was hei├čt mitgenommen?“
„Ich... ich wei├č es nicht. Frag mich nicht. Beim Versuch, sie zu hindern, haben sie mich niedergeschlagen und ich habe den Griff eines Schwertes ins Gesicht bekommen. Ins Auge. Sie haben es mir halb ausgeschlagen und dann hat die Heilerin es entfernen m├╝ssen. Ich war beinahe bewu├čtlos. Ich konnte sie nicht aufhalten.“
„Bitte nicht...“ Meine Knie wurden weich und Gwinnath schlang einen Arm um mich, weil sie sp├╝rte, da├č ich die Fassung verlor. Die Tr├Ąnen, die mir die Kehle zuschn├╝rten, konnte ich nicht zur├╝ckhalten. Ich schnappte nach Luft, dann verschwamm alles vor meinen Augen und ich schrie vor Wut auf. Hastig wischte ich mir ├╝ber die Augen und fuhr mir durchs Haar.
„Ich will, da├č du mir alles erz├Ąhlst“, sagte ich mit zitternder Stimme. „Komm mit... brauchst du irgendwas? Hast du Hunger, Durst?“
Er sch├╝ttelte den Kopf. Ich griff nach seiner Hand und eilte mit ihm und den anderen ins Lager. Wir setzten uns an einen der Tische, ich ihm gegen├╝ber, und legte eine meiner H├Ąnde auf seine. Gwinnath und Uilea setzten sich dazu.
„Bitte erz├Ąhl es mir“, sagte ich.
„Deine Hand ist eiskalt“, erwiderte er.
„Deine auch.“
Er nickte. „Es ist jetzt... f├╝nf Tage her, glaube ich. Keine Ahnung. Es war noch fr├╝h am Morgen, aber ich war auf, weil wir ein kalbendes Rind notschlachten mu├čten. Ich dachte noch, ich bilde mir die Fackeln auf dem Weg zum Dorf ein, aber dann kamen sie. Ich war hinter dem Haus und h├Ârte sie kommen, sah wie das erste Dach Feuer fing. Jemand br├╝llte ├╝ber die Stra├če, wo wir die Schwester der Klinge verstecken w├╝rden...“ Er sch├╝ttelte verzweifelt den Kopf und ich sp├╝rte, wie sich Verzweiflung um mein Herz krampfte. Bitte nicht noch meinetwegen.
„Sofort waren alle auf den Beinen. Die M├Ąnner haben sich mit allem bewaffnet, was sie finden konnten, aber die ersten wurden gleich niedergemacht. Sie haben die Frauen herumgehetzt und sich am├╝siert, haben die Kinder gescheucht, sind in die H├Ąuser gest├╝rmt und haben alles verw├╝stet. Sie haben sogar Tiere get├Âtet, nur um uns zu schaden. Es war ihnen gleich. Sie haben das halbe Dorf in Brand gesteckt, aber sie haben nicht wirklich nach dir gesucht. Sie haben es nur das eine Mal gesagt. Vielleicht meinten sie dich nicht einmal und haben es nur behauptet; ich wei├č es nicht.“

„Was ist mit meinen Eltern?“ fragte ich.
„Es geht ihnen gut. Dein Vater hat keine Waffe benutzt und so haben sie sie nicht angegriffen. Euer Haus ist unversehrt. Aber bei uns...“ Er schlo├č die Augen und sammelte sich. „Wir waren ja alle auf den Beinen. W├Ąhrend die meisten Soldaten ins Dorf liefen, blieben auch einige vorn und drei kamen in unser Haus. Ich hatte Fianna zu mir geholt und suchte gerade nach meinem Dolch, den mein Gro├čvater mir vererbt hat. Ich h├Ârte, wie sie unten meinen kleinen Bruder einsch├╝chtern wollten, und meine Mutter hat geweint. Mein Vater hat versucht, sie um Nachsicht zu bitten, und dann kamen zwei von ihnen hinauf, weil sie gesehen hatten, wie ich hochgelaufen war. Ich hielt den Dolch gerade in den H├Ąnden und wollte deine Schwester bitten, aus dem Fenster zu klettern, als sie vor uns standen. Erst wollten sie nichts, suchten nur Sch├Ątze, aber dann ist sie ihnen aufgefallen.“ Er schlug mit der Faust auf den Tisch, so da├č Uilea zusammenzuckte.
„Einer ging an mir vorbei und sagte irgendetwas Widerw├Ąrtiges, etwas Anz├╝gliches. Ich wollte ihn angreifen, aber da mischte der andere sich ein und bedrohte mich mit dem Schwert. Der eine Kerl dr├╝ckte Fianna an die Wand und hat sie angefa├čt, da bin ich ausgerastet. Ich habe die Kerle angegriffen, bin einem auf den R├╝cken gesprungen und habe ihn verletzt, aber da schlug der andere mir mit dem Schwertgriff ins Gesicht und dann lag ich da.“ Er senkte den Kopf. „Ich kam nicht mehr hoch. Auf einem Auge konnte ich nichts sehen, mein Dolch lag irgendwo und sie packten Fianna zu zweit und zerrten sie hinaus. Ich hatte Schmerzen, kam nicht hoch, ich h├Ârte sie nur schreien. Einer sagte, da├č sie dem K├Ânig sicher sehr gefallen w├╝rde. Sie wollten sie, weil sie so h├╝bsch ist... sie wollten sie haben. Meine Frau... sie ist doch meine Frau!“ Zuletzt br├╝llte er fast. „Einer fragte mich noch, ob sie gut sei...“
Er sprach nicht mehr weiter, sank schluchzend in sich zusammen. Obwohl auch mir Tr├Ąnen tiefen Zorns in den Augen brannten, stand ich auf, ging um den Tisch herum und umarmte Iaroth von hinten. Weinend klammerte er sich mit einer Hand an meinen Unterarm und war kaum noch zu beruhigen. In diesem Augenblick wollte ich ihm so sehr helfen, da├č ich meinen eigenen Schmerz kaum sp├╝rte. Stattdessen war da ein taubes Gef├╝hl, ein leeres Nichts.

Als ich Gwinnaths Hand auf meiner Schulter sp├╝rte, drehte ich mich um.
„Es tut mir so leid f├╝r dich“, sagte sie leise.
„Was?“ fragte ich verst├Ąndnislos. „Da├č sie meine Schwester geraubt haben?“
Sie nickte betreten. „Du wei├čt, was das hei├čt.“
Ich lockerte meinen Griff um Iaroth. „Nein, wei├č ich nicht.“
Gwinnath scharrte mit dem Stiefel in der Erde herum. „Die Zitadelle von Carmoth. Wenn sie dort einmal angelangt ist, ist sie verloren, das wei├čt du...“
„Nein, wei├č ich nicht!“ wiederholte ich w├╝tend. „Was willst du damit andeuten? Sie ist meine Schwester!“
Iaroth drehte sich zu mir um und schaute zu mir auf. „Danke, da├č du das sagst.“
„Da├č Fianna meine Schwester ist?“ fragte ich verwirrt.
„Nein... da├č du sie befreien willst. Du bist der erste Mensch, der das nicht in Abrede stellt.“
„Das glaube ich...“ murmelte Gwinnath.
„Das ist doch verr├╝ckt!“ rief ich emp├Ârt. „Du tust ja gerade, als sei sie schon tot! Aber das ist sie nicht. Sie k├Ânnen sie entf├╝hren, ja. Sie k├Ânnen sie meinetwegen sch├Ąnden und foltern, das kann ich nicht verhindern. Aber ich hole sie zur├╝ck. Sie wird nicht sterben. Nicht solange ich ein Schwert zu f├╝hren vermag.“

Meinung

Ich kannte von Dania bisher nur ihre genialen Thriller und damit hat sie mich hakt gepackt, ich war deswegen doch eher skeptisch, ob die Fantasy auCh so auf den Punkt gebracht werden konnte von ihr. Und es konnte! Um den tollen Schreibstil darzustellen habe ich extra den Prolog mit Genehmigung hier aufgef├╝hrt. Er ist fl├╝ssig und absolut leidenschaftlich und klar. Gut beschriebene Details sowohl bei den Charakteren als auch den Einzelheiten wie Personen, Kleidung, Landschaft und Orte. Finde wirklich beeindruckend. Man kann sich das ganze bildlich sehr gut vorstellen! Jede Emotion ist nachvollziehbar, so das die einzelnen Figuren gut zu erkennen sind. Die Verzweiflung von Caelidh ist ausgezeichnet dargestellt. Man ist wirklich bei den einzelnen Personen und f├╝hlt mit ihnen.

Meiner Meinung nach passt das Cover sehr gut zur Geschichte, man wusste sofort das es eine phantasievolle Geschichte handelt. F├╝r Freunde der Phantasie etwas blutiger als gewohnt, f├╝r mich also fast perfekt. Einen halben Punkt Abzug gibt es einfach nur, weil mein Herz ❤ ein M├╝ mehr f├╝r ihre Thriller schl├Ągt.

Aber eine absolute klare Leseempfehlung! Ihr m├╝sst diese Welt der Dania Dicken selbst entdecken!!

Fakten
589 Seiten
Ebook 3,99 €

Selfpublisher!

Dankesch├Ân an Reziliebe f├╝r die Verf├╝gung Stellung des Rezensionsexemplars.