Montag, 21. Mai 2018

Blogtour zu Unbeseelt (der Culver-Fluch Teil 3 von 3)

Schnipsel zu Unbeseelt von Marion Schreiner

Schnipsel 1 Seite 8/9 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

.......Die Corbetts hatten sich einverstanden erklärt und wollten es dabei belassen.  Ihre Philosophie war einfach: sie waren jung, finanziell gut abgesichert und wollten keine eigenen Kinder haben. Nein, sie sahen ihr Daseinszweck darin, Kindern die bereits auf dieser Welt waren und die dringend Hilfe brauchten, zu helfen, und hatten sich für ein Kind im Entzug entschieden.  Dem Krankenhaus war das gerade recht gewesen und es gab keinen langen Weg durch die Behörden. Der Stempel war schnell unter die Papiere gesetzt und der Handschlag zur Gratulation gegeben.
Eather, siebenundzwanzig, und Roman knapp ein Jahr älter, sahen sich als Retter dieser Welt und gute Seelen,  als sie Sam Garland schlafend entgegennahmen und den Schwestern dankten, die einen erleichterten Blick zur Decke richteten. Endlich waren sie dieses abscheuchliche Balg los! Niemand hatte es gemocht....

Schnipsel 2, Seite 10/11 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

.... er war eine Misdgeburt, eine, die man als solche nicht erkannte, denn seine Glieder waren  allesamt vorhanden und zeigten keine Missbildungen.  Doch n seinem Kopf hatte sich eine andere Welt entwickelt,  die voller Hass durch seine Augen nach außen drang. Er fürchtete schon früh das Licht und die Geräusche,  schrie bestialisch auf, wenn sein Verstand deswegen schmerzte, und schlug mit seinen kleinen Fäusten gegen seinen Kopf..... Seine Fäuste schlugen zu, sobald man ihn berührte, und seine Blicke schmetterten Hass gegen jeden, der ihn ansah. Er fühlte sich verfolgt und gejagt zugleich und war gewillt zu kämpfen. Natürlich für das Richtige aus seiner Sicht. Aus der Sicht alle anderen für das Falsche.......

Schnipsel 3, Seite 21 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

.....Sie brachen Sams Entzug ab. Für den jungen keine große Sache und alle waren erstaunt, dass sich,  außer den bisherigen Auffälligkeiten,  nichts weiter zeigte oder veränderte. Die zuletzt verabreichte Menge Methadon war nur noch minimal gewesen. Das hatte den Übergang erleichtert.
Sie feierten Sams ersten Geburtstag und versuchten zu lachen, doch an diesem Tag stellten sie zum ersten Mal fest, das er noch nie gelacht hatte. Die Linie seines Mundes änderte sich kaum. Er öffnete sein Mündchen nur, wenn es essen oder trinken gab, oder eben, wenn er an seinen Händen und Füßen herumbiss. Selbst Laute zwängten sich durch den geschlossenen Mund hindurch und klangen seltsam verzerrt.
Doch es gab auch Gutes zu berichten. Sams späte körperliche Entwicklung ließ ihn bereits krabbeln. Man gab ihm Zeit. Beim Krabbeln klopften seine Fäustchen auf dem Holzboden, als würde ein Mensch mit Prothesen darüber gehen.......

Schnipsel 4, Seite 25 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

.... Er sah sich um.  Der Abend ließ Nebelschwaden niedersinken und das Feuer langsam verglühen. Es wurde Zeit für die Nacht. Die Stille, die hereinbrach, war wohltuend. Er kroch ins Zelt, zog den Reißverschluss hochvund packte den Schlafsack aus. Welch eine Wohltat! In diesen Wäldern gab es keine Kriege und keinen Hass, dachte David und er schlief ein. Doch der Hass wuchs außerhalb der Wälder heran......

Schnipsel 5, Seite 26 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

.... Hätte er überhaupt eine Chance gehabt? Und wenn, war er nicht in der Lage gewesen,  sie wahrzunehmen,  denn der Leib, in dem er heranwuchs, war schwach und wurde immer wieder mit Gewalttätigkeiten und Widerstand zugleich gequält. Sam hatte gespürt, wie seine Mutter stillhielt, und dafür Hass ausgehalten. Danach hatte es immer eine Ladung Heroin gegeben die ihn und seine Mutter wieder beruhigt hatten, wie einen Hund, den man mit Leckerchen erzog. Brav! So ist brav!
Sam hatte die Schläge ausgehalten,  die der Leib hatte einstecken müssen,  ind damit seine eigene Gewalt geformt, die er eines Tages würde ausleben müssen, wenn er den Leib verlassen hätte. Schwäche und Stärke zugleich hatten sein Wesen geschaffen. Er hasste beides an sich, denn nichts davon war gut. Und ganz besonders hasste er die Welt, in die er plötzlich gestoßen wurde.......

Schnipsel 6, Seite 41 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

...."Zieh dich aus". Doris hatte zunächst gelacht, weil sie es für ein Spiel gehalten hatte, doch Sam war dafür bekannt,  nicht zu spielen. Er stand während der Pausen allein in irgendwelchen Ecken und beobachtete seine Mitschüler. Dorie hat ihn öfter dabei ertappt, wie er sie anstarrte. Ja, sie hatte es irgendwie gemocht, weil sie Mitleid mit hatte. Jetzt mochte sie nichts mehr an ihm. Als sie sich weigerte sich auszuziehen, hatte er sie zu Boden geworfen und sich auf sie gelegt. In ihr kämpfte die Angst mit der Wahrheit und die Angst siegte. Sie wollte sich nicht vorstellen,  wie schmerzhaft es sein würde, wenn er ihr die Augen auskratzen würde. Also log sie, als sie vor Mrs. Cord und Mrs. Willet saß, und nahm alle Schuld aus sich. Sie sagte sie hätte ihn auf die Toilette gelockt und ihn gebeten, sich auf sie zu legen. Dorie konnte ihr eigenes Leid besser ertragen, als die Angst, was nach der Wahrheit tatsächlich folgen konnte. Also behaarte sie auch in der Gegenwart ihrer Eltern auf dieser Lüge und ergab sich einem zermürbenden Prozess von Fragen, Elternsorge und zukünftigen Therapien,  während Sam ungeschoren davonkam. Er hatte sich tatsächlich noch am selben Tag vor allen anderen bei ihr entschuldigt und sie genau beobachtet. Niemand vermochte ihnen die Wahrheit abzuringen,  obwohl sie doch alle kannten......

Schnipsel 7, Seite 59 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

...... Sam hockte oben an der Treppe und geriet in Panik, als er das hörte. Er robbt auf allen Vieren in sein Zimmer zurück und warf sich auf das Bett. Kurze Zeit später betrat Eather sein Zimmer und holte ihn nach unten ins Wohnzimmer. 
Als Bill Arvill ihn zum ersten Mal sah, erschrak er regelrecht. Er war zwar über seinen Vater im Bilde, doch Sam schien die Personisierung seines Herrn zu sein. Der Teufel persönlich. Eather und Roman hatten sich über all die Jahre an den Anblick gewöhnt und fanden nichts Außergewöhnliches mehr daran, doch Bill Arvill kamen in diesem Moment Zweifel. Er hat Pat gesehen, die wie ein Engel aussah.....


Schnipsel 8, Seite 62/63 zu Unbeseelt von Marion Schreiner

..... in Sam baute sich ein giftiges Gebräu zusammen. Immer wenn er seine Adoptiveltern über seine Familie reden hörte, überkam ihn dieser Hass. Sie ließen nichts Gutes an ihnen. Alle waren Dreckschweine, Drecksstücke und Lumpen. Das schmerzte! Er hörte nicht die besänftigenden Worte von Eather,  dass er doch  nichts dafür könne. Der Schmerz durchstach sein taubes Gefühl und hinterließ eine Wunde, in die man besser nicht hineinstach. Doch die Corbetts hatten ja keine Ahnung,  was Sam alles mitbekam. Sie redeten so schamlos und unvorsichtig über alle, die zu ihm gehörten. Damit bewiesen sie, dass er niemals mit ihnen zusammenwachsen würde. Sie hassten seine Wurzeln,  seine Gene und sein Aussehen. Wie konnten sie da Vertrauen und gute Gefühle von ihm erwarten? Doch es war nicht schlecht, dass sie Pat holen würden! Endlich würde jemand aus seinen eigenen Reihen da sein und ihm helfen.......
Sie war im Grunde ein ebenso zerrissenes Fing wie er, nur anders zerrissen. Während sie einen Ersatzvater nach dem anderen kennengelernt hatte, war er in stabilen Verhältnissen aufgewachsen.  Sam hatte Eather und Roman einmal belauscht,  als sie heimlich über sie sprachen. "Sie hat drei Jahre lang nichts anderes als Chaos erlebt" , hatte Eather gesagt.......


Alle Inhalte wurden mit der Autorin vorher abgesprochen.