Donnerstag, 11. April 2019

AI: Leonie Jungen

#Autoreninterview mit Leonie Jungen

Name: Leonie Jungen 
Wohnort: Mainz 
Lieblingsbuch: The Great Gatsby 
Lieblingsfilm: Inception (und so viele andere) 
Lieblingsessen: Maultaschen 
Lieblingsfarbe: Eisblau (wie ein unberührter Bergsee, wenn die Sonne auf die Wasseroberfläche scheint) 
Lieblingsgeruch: Zimt 
Lieblingsurlaubsort: Schottland 
Hobbys: Zeichnen und Malen, Fotografieren, Gitarre und Klavier spielen 

  • In welchen Genre finden wir dich? 
Bisher habe ich hauptsächlich in den Genres Fantasy und Science-Fiction geschrieben. Mein neues Projekt wird wohl eher in Richtung Young Adult gehen, aber auch hier werden wieder ein paar Fantasyelemente mit hineinfließen. 

  • Wann kommt dein nächstes Buch heraus? Und wie wird der Titel lauten? 
Noch stehe ich ganz am Anfang des Schreibprozesses, daher kann ich dazu leider noch nichts dazu sagen, aber bleibt gespannt. 

  • Welche Bücher liegen schon von dir vor? 

Ich habe bereits „Monde der Fortuna – Galaxie der Unendlichkeit“ und den Folgeband „Monde der Fortuna – Hinter dem Glas“ im Papierfresserchen MTM-Verlag veröffentlicht, einem Förderverlag für junge Autorinnen und Autoren. Mit „The Last State of Grace“ habe ich dann den ersten Schritt auf den Self-Publishing-Markt gewagt. 

  • Kann man signierte Bücher von dir käuflich erwerben? Und wenn ja, wo? 

Nein, bisher habe ich nur bei Lesungen signiert oder wenn mich Leserinnen und Leser persönlich mit der Bitte um eine Signatur kontaktiert haben. 

  • Wann und wie kommst du auf neue Buch Ideen? Gibt es da ein bestimmte Vorgehensweise/ Rituale oder fliegen dir Ideen einfach so zu? 

Neue Buchideen entstehen meistens in meinem Unterbewusstsein, ohne dass ich davon viel mitbekomme. Ich denke sehr viel über Themen nach, die mich faszinieren und irgendwann fügen sich dann Bruchteile von Überlegungsprozessen zusammen. Bei meinen bisherigen Büchern passierte das, indem ich eine Art Filmtrailer vor meinem inneren Auge gesehen habe, was nicht so seltsam ist, wie es sich anhört, versprochen! 

Meine jetzige Idee hingegen entstand aus einem Bild heraus, das ich in Gedanken über Monate gezeichnet habe. Dabei lasse ich mich meistens von anderen Büchern, Filmen oder Serien inspirieren, in denen Gesellschaftskritik oder moralische Konflikte eine vordergründige Rolle spielen und Figuren einem inneren Dilemma ausgesetzt sind. 

  • Hörst du Musik beim Schreiben? Inspiriert dich die Musik zum Schreiben? 

Manchmal kann Musik sehr hilfreich beim Schreiben sein, zum Beispiel, wenn ich an einer sehr emotionalen Szene arbeite und mich in die Stimmung der Figuren versetzen muss. Dann sind gerade traurige Stücke oder Filmmusiken ideal. Ähnlich ist das mit Actionszenen. Wenn sich die Ereignisse überschlagen sollen, höre ich Musik, die dem Tempo der Szene entspricht und mir einen kleinen Adrenalinschuss verpasst, damit ich auch hier den Gedankengängen und Wahrnehmungen der Figuren gerecht werde. Allerdings höre ich dabei nie Musik, die Texte beinhaltet, da mich das zu sehr vom Schreiben ablenkt. 

  • Wie lange brauchst du für ein Buch? Vom ersten Wort bis zum Erscheinen? 

Das war bisher bei jedem Buch unterschiedlich. Die ersten beiden Romane habe ich innerhalb weniger Monate geschrieben, weil ich zu dem Zeitpunkt zwölf, bzw. dreizehn Jahre alt war und nur die Sommerferien über Zeit hatte, um an der Geschichte dranzubleiben. Zu dem damaligen Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht annähernd so viel über die Bedeutung eines logischen Plots, eine schöne Erzählsprache oder Figurenkonstruktion. Das war ein sehr intuitives Schreiben. 

Für „The Last State of Grace” hingegen habe ich sechs Jahre gebraucht. Das lag zum einen daran, dass ich fünf verschiedene Manuskripte geschrieben habe, in denen sich die Figuren und die Handlung sehr drastisch verändert haben und ich so viel wie möglich experimentieren wollte. Zum anderen hat sich mein Schreibstil zwischen den einzelnen Fassungen sehr drastisch entwickelt. 

Für mein neues Buch werde ich allerdings nicht mehr so lange brauchen. 

  • Wolltest du als Kind schon Autor/In werden oder was war damals deine Berufswahl? 

Mein erster Berufswunsch, auch wenn nicht bewusst gewählt, war Geschichtenerzählerin. Als Kind habe ich abends oft allein Theaterstücke nachgespielt, die wir im Kindergarten aufgeführt haben oder habe so getan, als würde ich meinen Eltern etwas vorlesen, obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt nur meinen Namen schreiben konnte. In der Grundschule wurden daraus dann zunächst Comics und schließlich Kurzgeschichten. Erst, als ich ein Interview mit J.K. Rowling gelesen habe, wusste ich, dass ich einmal Bücher schreiben möchte. 

  • Wenn du die Möglichkeit hättest eins deiner Bücher zu verfilmen, welche Schauspieler kämen da für in Frage und wieso? Welches Buch möchtest du gerne von dir im Kino sehen? 

Es wäre eine große Ehre für mich, wenn „The Last State of Grace“ verfilmt werden würde, weil ich so viel Herzblut in diesen Roman gesteckt habe und ich beim Schreiben so viele Szenen förmlich vor mir gesehen habe als wäre ich Teil der Handlung. Und wenn ich tatsächlich den Luxus hätte, eine Schauspielerin auswählen zu können, die meine Protagonistin Sam spielen soll, dann wäre es Emma Watson. Nicht nur, weil sie seit Kindertagen mein großes Vorbild ist, sondern weil ich sie auf der Leinwand unbeschreiblich ausdrucksstark und präsent finde – gerade in stillen Szenen. Eine Eigenschaft, die meiner Meinung nach nicht viele Schauspielerinnen haben und die Sams Charakter in einigen Buchszenen beeinflusst hat. 

  • Würdest du dich selbst in deinen männlichen/ weiblichen Protagonisten verlieben oder spricht dich dieser Typ Mann/Frau nicht an? 

Diese Frage verallgemeinert zu beantworten ist sehr schwer, da jeder meiner männlichen Protagonisten andere Eigenschaften besitzt. Manche habe ich bewusst nach einem Modell konstruiert, das ich attraktiv finde, andere wiederum sind das komplette Gegenteil davon. Allerdings ist es etwas ganz anderes, über Menschen zu schreiben als tatsächlich mit ihnen in einer Welt zu leben. Deswegen bezweifele ich, dass ich mich in einen Menschen verlieben würde, den ich erschaffen habe. Da gäbe es nichts, was mich überraschen könnte und das wäre auf Dauer doch sehr langweilig. 

  • Liest du selbst dein Genre oder lieber andere Bücher? 

Da ich für die Uni viele englische Klassiker unterschiedlicher Genres lesen muss, bin ich da sehr flexibel geworden. Früher habe ich fast nur Fantasy gelesen, heute greife ich lieber zu Science Fiction, Young Adult oder manchmal auch Romance. Eine Präferenz habe ich da nicht, solange mir der Schreibstil gefällt und mich das Buch auch Stunden nach dem Lesen einfach nicht loslässt. Allerdings finde ich Bücher immer dann besonders faszinierend, wenn komplexe moralische Themen behandelt werden oder die Figuren eine starke Charakterveränderung durchleben. Seichte Unterhaltungsliteratur käme mir deswegen nie ins Bücherregal. 

  • Wie kommst du zum Schreiben? Plottest du erst oder schreibst du einfach drauf los? 

Der erste Schritt ist meist ein grober Plotentwurf und eine Charakterskizze für meine Figuren, aber ich bin der Überzeugung, dass die besten Ideen erst während des Schreibprozesses entstehen. „The Last State of Grace“ habe ich sehr verkopft geschrieben, weil ich detailliert jedes Kapitel vor dem Schreiben durchgeplottet habe. Den Fehler werde ich bei meinem aktuellen Projekt nicht noch einmal begehen und stattdessen die Geschichte mehr auf mich zukommen lassen, denn meist liegt man mit seiner Autorenintuition richtig. 

  • Hast du eine/n Lieblingsautor/In? Wenn ja welche/R? 

Ich habe zwei Lieblingsautoren. Einer davon ist F. Scott Fitzgerald, weil er ein unglaubliches Gefühl für Sprache hat und ich bewundere seine Fähigkeit, das Unausgesprochene zu schreiben. Jedes Mal, wenn ich eines seiner Bücher erneut lese, entdecke ich wieder etwas, das mir zuvor nicht aufgefallen ist. Fitzgerald versteckt sehr viel zwischen den Zeilen, ohne es konkret anzusprechen. Diese Eigenschaft hätte ich als Autorin auch gerne. 

Meine zweite Wahl fällt auf J.K. Rowling. Ihre Harry Potter-Serie hat mich sowohl menschlich als auch schriftstellerisch sehr geprägt. Auch, wenn mich ihr Schreibstil weniger anspricht, finde ich ihre Art der Figurenschöpfung sehr faszinierend. Ihre Charaktere tragen maßgeblich zur Plotentwicklung bei und das macht das Leseerlebnis nicht nur fesselnd, sondern unvergleichlich. 

  • Würdest du gerne mit deinem/r Protagonisten/In die Rolle tauschen? 

Oh ja. Wenn möglich, würde ich gerne mit Sam aus „The Last State of Grace“ für einen Tag die Rolle tauschen, aber auf keinen Fall für immer. Ich würde in ihrer Welt vermutlich einen Weltkrieg auslösen, aber sie könnte für mich meine Klausuren schreiben. Dann wären mir die Bestnoten sicher! 

  • Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet? Oder schreibst du gar nicht am Schreibtisch sondern im Bett, im Garten, usw. ? 

Ich schreibe am liebsten an einem Tisch. Das muss nicht der Schreibtisch sein, aber es muss zumindest eine gewisse Form der Arbeitsatmosphäre herrschen, sonst lasse ich mich zu schnell von der Wunderwelt des Internets ablenken. Gemütlichkeit spielt dabei weniger eine Rolle, sondern mehr die Inspiration meines Umfelds. Idealerweise bin ich allein und kann mich vollkommen auf die Geschichte konzentrieren, umgeben von Gegenständen oder Bildern, die mich zum Nachdenken bringen. 

  • Was möchtest du unseren Lesern noch sagen? 

Eine Geschichte lebt nur dann, wenn es jemanden gibt, der zuhört. Indem wir Bücher lesen, erhalten wir einen ganzen Kosmos an Welten am Leben und das ist das schönste Geschenk, das man Geschichtenerzählerinnen und -erzählern machen kann. 

Dieses Interview wurde mit vorheriger Absprache und mit dem Einverständnis der Autorin/des Autors veröffentlicht.