#Autoreninterview
Name: Rel Nor Enol, wobei Rel mein Vorname ist, und Nor Enol der Familienname. Ich sag das lieber vorweg, denn ich habe einen inneren Zwang, das durch unhöfliches Unterbrechen mitten in einem Satz zu korrigieren
Wohnort: An der Grenze zwischen der Partyzone Met Ruhr und dem schönen, ruhigen Münsterland
Lieblingsbuch: Eine gemeine Frage für einen Bookaholic. Ich liebe Bücher, und mich da für eines zu entscheiden fällt mir unglaublich schwer. Ich antworte mal mit „Alle“
Lieblingsfilm: Wechselt im Sekundentakt, jedenfalls gefühlt. Mal ist es „Und täglich grüßt das Murmeltier“, im nächsten Augenblick „Indiana Jones“ oder „Die Bourne-Verschwörung“, dann „Life of Brian“, „Krieg der Sterne“ und „Der Herr der Ringe“. Ich muss mich dabei unterhalten fühlen, und es darf nicht vor Fehlern unangenehm werden. Ich würde mich aber keinesfalls einen Cineasten nennen. Bewegte Bilder nehmen in meinem Leben einen viel zu geringen Stellenwert ein
Lieblingsessen: Die Dinge, auf die ich gerade Hunger habe. In der Regel ist das Schokolade, aber das habt ihr ja nicht gemeint. Daher beschränke ich mich mal auf zwei Gerichte aus den beiden Enden Europas, nämlich die Paella (Valenciana) und Gjuvetsh (bulgarischer Eintopf), obwohl ich die italienische Küche genau so liebe und der deutschen Tradition des Grillens völlig verfallen bin. Ich müsste 450 kg wiegen, aber ich bin bemüht, es nicht zu überziehen
Lieblingsfarbe: Tatsächlich grün. Das beruhigt mich irgendwie. Im Arbeitszimmer ist die Hintergrundbeleuchtung auch grün. Die Nachbarn haben schon gefragt, was ich züchte. Ohne Spaß
Lieblingsgeruch: Ein Buch
Lieblingsurlaubsort: Breit aufgefächert zwischen Spanien und Bulgarien. Aus Europa raus schaffe ich es bestimmt nicht mehr, es sei denn, mein Raumschiff kommt doch noch eines Tages und bringt mich fort. Aber die haben mich stumpf vergessen, schätze ich. In Rom war ich noch nicht, das würde ich noch gern besuchen; es besteht allerdings der begründete Verdacht, dass ich nur mit schwerem chirurgischem Gerät wieder von der Stadt getrennt werden kann. Besonders vom Forum Romanum
Hobbys: Da Drurka mehr ist als nur eine Idee, müsste ich genau genommen unglaublich weit ausholen. Denn: In principo erst verbum (am Beginn war das Wort). Ein komisches Wort, verbunden mit einer Idee. LARP – also Live Action Role Play. Da sollte eine Welt geschaffen werden, die irgendwie anders war. Und auf der wollten wir uns bewegen. Als Krieger, Barden, Händler, was uns gerade in den Sinn kam. Daher wären meine Hobbys wohl das LARP an sich, der Schwertkampf, Musik – das mit den Barden war kein Spaß – und aufgrund der nicht völlig unbeabsichtigten Parallelen mit der irdischen Geschichte auch ein wenig das Reenactment des Mittelalters, so eine Art von Living History. Warum niemand deutsche Worte dafür benutzt, kann ich euch nicht sagen. Vielleicht klingt das besser, oder es wurde einfach stumpf übernommen.
- In welchem Genre finden wir dich?
Mein Genre ist High Fantasy. Also alles, was das einst von Tolkien berührte Herz begehrt: Drachen, Schwerter, Ritter, Magie. Das ist zum Teil historisch korrekt – soweit das bei Fantasy möglich ist. In jedem Fall sind einige Dinge ernsthaft überprüft. Man soll ja eigentlich nur das schreiben, was man kennt. Bei Drurka gab es zuerst das Spiel und die handelnden Personen, dann erst die Bücher
- Wann kommt dein nächstes Buch heraus? Und wie wird der Titel lauten?
Das nächste Buch wird im November erscheinen und den Titel „Die Diebin“ tragen. Und auch dort gibt es Dinge, die wir überprüft haben. Denn auf einer Welt, die vom Ewigen Licht der Götter beschienen wird, ist es halt schwierig im Dunkel der Nacht deine Raubzüge durchzuziehen und wieder zu verschwinden. Da sitzt du als Autor schon mal ratlos bis komplett entgleist sabbernd vor dem Bildschirm und fragst dich, wie du aus der Nummer wieder heraus kommen sollst. Doch es geht. Du musst dich einfach nur zurück begeben in eine Zeit, als die Bürgersteige noch nicht von der Straße abgesetzt und eben wie ein Spiegel waren. Da guckst du ganz woanders hin als suchend in die Luft, damit du nicht übelst auf die Nase fällst
- Welche Bücher liegen schon von dir vor?
Bislang von mir erschienen sind die Bände „Wilfen“, „Königsmörder“ und „Dämmerwald“, alle über den A.P.P. Verlag oder den Buchhandel – oder das mächtige a – zu beziehen. Sie alle beschreiben die Welt Drurka, die im Jahr 28.117 vor heute an einem Wendepunkt steht. Neue Mächte formen sich, und ein Volk greift nach der Vorherrschaft
- Kann man signierte Bücher von dir käuflich erwerben? Und wenn ja, wo?
Signierte Bücher gibt es nur über mich, meine Unterschrift hat noch niemand sonst geübt. Daher müssten sich Interessenten direkt an mich wenden – oder den A.P.P.-Shop, klar
- Wann und wie kommst du auf neue Buch Ideen? Gibt es da ein bestimmte Vorgehensweise/ Rituale oder fliegen dir Ideen einfach so zu?
Das ist eine sehr schwierig zu beantwortende Frage. Denn es ist völlig unterschiedlich. Manchmal gibt es den groben Plot schon, weil es einfach Geschichte der Welt Drurka ist, und die ist teilweise schon fixiert. Ich muss also ein Ereignis nur ausformulieren. Klingt erst einmal simpel, ist jedoch, wie einen historischen Roman über die Erde zu schreiben. Du hast halt nichts weiter, als ein Datum und einen Eintrag in eine Chronik. Und diese Einträge sind charakterisiert durch emotionslose Sachlichkeit. So wie „Schlacht um Perrit“. Ende. Der Chronist versucht, das nicht zu werten, der Autor dagegen bezieht klar Position. Oder versucht es zu vermeiden. Es kann auch sein, dass ich einen Mann auf einem Bahnhof stehen sehe, und der rutscht dann in eine Geschichte, die ohne diese Begegnung völlig anders verlaufen wäre. Und manchmal, ja ich bekenne mich dazu, fliegt mir eine Idee auch einfach zu. Ich habe diesen Moment zwischen wach im Bett und dem angestrebten Ereignis des Einschlafens. Manchmal eine ganze Weile, und da ploppt plötzlich eine Idee auf. Ein Satz, ein Bild, was auch immer. Das muss augenblicklich fixiert werden. Der dem folgende Gedanke, dass die Idee so gut ist, dass ich sie nicht vergessen kann, kommt vom Anti-Autor, so einer Art Überteufel. Klappt nie. Alles ist weg, nur die Erinnerung, dass da irgendwas war. Was Tolles, Gutes. Daher liegen ein Block und ein Stift neben meinem Bett
- Hörst du Musik beim Schreiben? Inspiriert dich die Musik zum Schreiben?
Musik inspiriert mich auf jeden Fall. Ich höre aber nicht immer Musik, denn die kann auch ablenken, und dann komme ich aus dem Flow, und schließlich hänge ich in der Musik fest
- Wie lange brauchst du für ein Buch? Vom ersten Wort bis zum Erscheinen?
Dafür gibt es leider gar keinen Wert. Die Bücher, die erscheinen, sind alle schon eine Weile fertig. Theoretisch würde es wohl, mit Lektorat, Korrektur und Coverdesign, vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung etwa ein Jahr dauern. Wenn ich es schaffe, das Buch runter zu schreiben. Die Welt will das jedoch nicht immer so, und dann lenken mich Arbeit – ja, ich habe einen Brotjob – oder Familie oder was auch immer total ab vom eigentlichen Ziel, so dass es nichts wird mit dem schnell runter geschriebenen Buch. Ich kann die etwa eine Million Zeichen innerhalb von sechs Monaten so sinnvoll aneinander hängen, dass ein Manuskript fertig wird. Doch das klappt nur in den seltensten Fällen. Oft liegen Jahre zwischen der ersten Idee und dem ersten Satz. Das hängt natürlich manchmal auch damit zusammen, dass ein Buch noch gar nicht an der Reihe ist, geschrieben zu werden. Ich stelle die Welt ja vor, und dabei bin ich, zumindest in diesem Stadium noch, um die Chronologie bemüht. Das wird sich sicherlich ändern, doch momentan versuche ich noch, dem Buch Raum und Zeit zu schenken, das eher erscheinen soll
- Wolltest du als Kind schon Autor/In werden oder was war damals deine Berufswahl?
Meine erste Berufswahl war Farmer. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich auf das schmale Brett gekommen bin. Ich muss mir das total romantisch und schön vorgestellt haben. Danach kam der Raumoffizier, direkt gefolgt vom Schriftsteller und Archäologen, weil die Vergangenheit mich immer unglaublich fasziniert hat. Nach der Abschlussprüfung habe ich es dann geschafft, beides zu kombinieren, irgendwie. Und das Unglück nahm seinen Lauf.
- Wenn du die Möglichkeit hättest eins deiner Bücher zu verfilmen, welche Schauspieler kämen dafür in Frage, und wieso? Welches Buch möchtest du gerne von dir im Kino sehen?
Ich muss zugeben, dass ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe. Kino ist unendlich weit entfernt, wenn du gerade mal drei Bücher am Markt hast. Ich finde meine Charaktere nicht in Filmen oder im Internet, sondern sie sind irgendwo um mich herum. Sie begegnen mir, solche Leute sehe ich. Das hat nichts mit einem Film zu tun. Das ist nur Buch, nur meine Fantasie an das Publikum weitergereicht. Mich hat mal Thandie Newton inspiriert. Doch sie ist irgendwie übernommen worden von einem Mädchen aus meinem Bekanntenkreis.
Wen ich allerdings wirklich fragen würde wäre Laura Maire. Das ist eine wirklich tolle Frau, als Mensch unglaublich authentisch, eine gute Schauspielerin und eine der besten Stimmen in Deutschland
- Würdest du dich selbst in deinen männlichen/ weiblichen Protagonisten verlieben oder spricht dich dieser Typ Mann/Frau nicht an?
Einige Charaktere sprechen mich natürlich sehr an. Der Vorteil, wenn du Autor bist, ist es ja auch, dass du die Protagonisten so feilen kannst, wie du sie haben möchtest. Das muss niemand anderen gefallen, das ist die Gefahr dabei, doch einige meiner Akteure wären sicherlich mein Typ
- Liest du selbst dein Genre oder lieber andere Bücher?
Eigentlich lese ich sehr viele Genres, bevorzugt natürlich Fantasy und Science Fiction. Das ist mein Milieu, daher komme ich, und da will ich auch sein. Doch muss ich zugeben, dass sehr viele völlig andere Dinge Inspiration und Entspannung für mich darstellen. Es muss nur gut geschrieben sein. Das fängt bei Jerry Cotton an und endet bei Eco oder einem fachlichen Aufsatz über das Frühmittelalter in Europa
- Wie kommst du zum Schreiben? Plottest du erst oder schreibst du einfach drauf los?
Sowohl als auch. Ich schreibe lieber drauf los, habe jedoch auch schon Stories verfasst, die zuvor komplett fertig waren und nur „runtergeschrieben“ werden mussten. Ich muss jedoch zugeben, dass ein Exposee mich etwas einengt. Ich habe auch schon komplette Ideen einfach in eine Schublade gelegt, weil ich es langweilig fand, das weiter zu schreiben. War ja schon alles klar.
Bei meiner Fantasy Saga kommt hinzu, dass es meistens zuvor klar ist, was geschehen wird. Oder kann und muss, damit die Geschichte der Welt, die ja in groben Zügen steht, ihren Lauf nehmen kann. Das lässt sich nicht mehr beeinflussen. Obwohl es manchmal für die Dramaturgie besser wäre, einen völlig neuen Weg zu gehen. Jedenfalls aus meiner Sicht, aber ich bin auch jemand, der sich gern von der Story überraschen lässt. Es gibt Passagen, die schreibt das Buch selbst, da habe ich keinen Einfluss drauf.
Ja, das ist etwas verwirrend, auch für mich, aber ich vermag es nicht anders zu formulieren, ohne dass es sich völlig schizophren anhört. Das ist halt der Weg, den das Buch bei seiner Entstehung nimmt. Der ist nie gleich; ich habe kein Patentrezept fürs Schreiben, sonst würden sehr viele Menschen von sehr weit her kommen, nur um mit der Stirn den Boden zu berühren, über den ich gegangen bin, damit meine Weisheit auf sie übergehen kann. Aber das würden sie wohl auch erst dann machen, wenn ich etwas bekannter wäre
- Hast du eine/n Lieblingsautor/In? Wenn ja welche/R?
Einen wirklichen und einzigen Favoriten habe ich nicht. Dafür liebe ich Literatur viel zu sehr. Ich darf durch den besonderen Umstand, dass ich mit Büchern zu tun habe – genau wie ihr – ständig neue Leute kennenlernen. Immer wieder sind großartige Autoren dabei, faszinierende Menschen, sodass ich mich wirklich nicht festlegen will und kann
- Würdest du gerne mit deinem/R Protagonisten/In die Rolle tauschen?
Oh, nee! Wirklich nicht. Ich schreibe meinen Chars schon immer mal wieder echte Probleme an den Hals. Die müssen manchmal durch Dinge, die ich mir gern ersparen würde. Ich hoffe auch, dass Protagonisten niemals aus Büchern springen werden. Sonst habe ich ein echtes Problem
- Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet? Oder schreibst du gar nicht am Schreibtisch sondern im Bett, im Garten, usw. ?
Gemütlich … nein, nicht wirklich. Klar, ich habe den Stuhl zusätzlich gepolstert, damit ich bequem sitze. Ich verbringe schon einige Stunden hier am Rechner. Irgendwie ist das ja doch Arbeit, wenn auch eine sehr privilegierte. Daher ist es nicht gemütlich. Ein sehr alter Schreibtisch in einer kleinen Kammer, die ich Büro getauft habe. Ich schreibe an warmen, sonnigen Tagen jedoch oft im Garten unter dem Wein, und im Urlaub an inspirierenden Orten. Ich benötige nur ein Notebook. Im Prinzip reicht mir das völlig
- Was möchtest du unseren Lesern noch sagen?
Bei euren Lesern möchte ich mich einfach nur bedanken, dass sie mir erlauben, Schriftsteller zu sein. Wir Autoren schreiben ja auch deshalb, damit unsere Ideen gelesen werden. Wenn das passiert, ist es einfach großartig für uns. Die Uridee hinter unserem schreiben ist ja nicht, ein Buch im eigenen Regal stehen zu haben, auf das man seine Besucher aufmerksam machen kann. Es ist vielmehr der Wunsch, die eigenen Gedanken vermitteln zu können, sie möglichst vielen Menschen zugänglich machen zu dürfen.
Ich möchte alle Leser auffordern, so viel wie möglich zu lesen. Alle Autoren, alle Genres. Das ist einfach toll; man kann abtauchen in fremde Welten, an unbekannte Orte reisen, und muss die Komfortzone der Kuscheldecke doch nicht verlassen. Buchmenschen sind, das erlebe ich jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse, eine große Familie aus vielen tollen Charakteren. Ich bin dankbar, dass ich dazu gehören darf.
Keep on reading!
Dieses Interview wurde mit vorheriger Absprache und mit dem Einverständnis der Autorin/des Autors veröffentlicht.
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