Montag, 4. Mai 2020

Stefanie Gerstenberger - Die Wunderfabrik: Keiner darf es wissen! (Band 1) (M)

Rezension von Mia zu "Die Wunderfabrik - Keiner darf es wissen!" (Band 1) von Stefanie Gerstenberger

Klappentext:

Fernab vom coolen London verbringen die zwölfjährige Winnie, ihre große Schwester Cecilia und ihr kleiner Bruder Henry ihre Sommerferien bei den Großeltern in einem Kaff am Ende der Welt – so fühlt es sich wenigstens an. Noch dazu ohne Internet (»Haben wir hier nicht!«) oder Ausflüge ins Dorf (»Viel zu gefährlich!«). Stattdessen »dürfen« die Geschwister in einer düsteren Fabrik unter der Aufsicht äußerst sonderbarer Hausangestellter Lakritzbrocken herstellen – grässlich! Da experimentiert Winnie nur zum Spaß mit einer neuen Zutat herum – und löst damit einen Sturm unglaublicher Ereignisse aus. Hat Winnie etwa das magische Talent ihres Großvaters geerbt? Doch von diesem Geheimnis darf niemand erfahren ...



Meinung:

Puh, diese Rezension fällt mir nicht ganz so leicht. In erster Linie habe ich mich in das Cover verliebt, schließlich passte auch noch der Klappentext und ich war Feuer und Flamme.
Ich liebe Kinderbücher und freute mich auf ein spannendes Abenteuer in einem coolen englischen Setting, mit vielen Geheimnissen und tollen Charakteren.
Leider kam es dann doch ein wenig anders.

Es wird in meiner Rezension kleine Spoiler geben, jedoch keine Handlungsrelevanten. Ich möchte dennoch darauf hinweisen.

Zu Beginn lernen wir unsere Protagonisten kennen, die Geschwister Winnie, Cecilia und Henry. Zu keinem konnte ich einen Zugang finden, alle fingen mehr oder weniger sogar an mich zu nerven. Henry ist 5 Jahre jung und redet zu Beginn teils noch in einzelnen Wörtern, während er später perfekte Sätze bildet.
Der Zusammenhalt der Geschwister war das einzige, was mir nahezu durchweg gefiel.
Die Kinder handelten für mich zusätzlich oft unverständlich.
Hier ein Beispiel: Die Eltern der drei müssen beruflich den Sommer im Ausland verbringen und bringen ihre Kinder deswegen zu dessen Großeltern, mit denen jedoch kaum Kontakt vorhanden war.
Als die Eltern samt Kinder bei den Großeltern ankommen und ein paar gemeinsame Stunden am Meer verbringen, werden die Kinder gefragt, ob es für sie okay wäre, den Sommer dort zu verbringen.
Die Kinder entscheiden sich für ja, da sie die Villa gerne erkunden wollen.
Soweit so gut. Mir schien die Entdeckerfreude der Kinder als echt. Da war es für mich nicht nachvollziehbar, dass noch am selben Abend die Flucht ins elternlose London geplant wird, nur weil es kein Internet gibt.

Die Großeltern geben sich sehr kryptisch. Zeigen kein großes Interesse an ihren Enkeln. In anderen Rezensionen habe ich etwas von Vernachlässigung gelesen, dem ich teils zustimme, mir aber auch mehr als einmal gedacht habe, dass die Kinder aber auch oft auf ganz hohem Niveau meckern. Die Großmutter kocht zwar nur jegliche Formen von Brei, für mich gibt es aber keinen ersichtlichen Grund, wieso man sich weigern sollte diesen zu essen und als eklig abzutun. Immerhin lieben die meisten Kartoffelbrei. Lieber werden sich Süßigkeiten geholt, um nicht "verhungern zu müssen".

Weitere Charaktere im Haus sind das tragische Trio. Drei Personen, die für die Großeltern arbeiten und ein Auge auf die Kinder haben sollen. Man kann nicht sagen, dass ich die drei nicht mochte, aber auch sie konnten mich nicht ganz erreichen. Alles in einem war mein liebster Charakter somit leider die Katze, die ab und an auftauchte und nicht wirklich eine große Rolle spielte.
Das klingt jetzt furchtbar hart und es tut mir beim Schreiben auch total leid, aber mit den Charakteren steht und fällt ein Buch für mich.

Auch der unbekannte Bösewicht nervte mich. Wir erhalten manchmal Einblicke in seine Gedankenwelt. So erfahren wir auch, dass er seinen Namen häufig ändert. Wir erleben Lobeshymnen auf seinen neuen, absolut perfekten Namen, den er sich ausgesucht hat, während er ebenfalls äußert, dass er ihn ständig vergisst. Passt für mich nicht ganz zusammen.

Mein Hoffnungsschimmer war also die Wunderfabrik, die uns ja schon auf dem wunderschönen Cover präsentiert wird. Ich wartete und wartete. Dann dachte ich mir "Ach, dann kommen sicherlich bald die coolen Süßigkeiten"
Doch auch die ließen auf sich warten. Erst bei ungefähr 45 % kamen die besonderen Süßigkeiten ins Spiel. Auf die Fabrik muss man dann natürlich noch um einiges länger warten.
Die Art und Weise, wie die Autorin die Sache mit den Bonbons darstellt und umsetzt, gefällt mir sogar sehr gut. Aber es dauert alles zu lange. Wäre dies kein Kinderbuch, wäre ich deutlich geduldiger gewesen, aber bei einem Kinderbuch sollte es schneller voran gehen. Wenn ich es mit anderen Kinderbüchern vergleiche, geht es hier doch sehr langsam voran.

Ein weiterer Punkt ist leider der Schreibstil. Ich bin nicht gut mit ihm zurecht gekommen. Er war mir zu einfach und erinnerte mich phasenweise an einen Aufsatz aus Schulzeiten.

Alles in einem gefällt mir die Grundidee der Autorin sehr gut und es gibt durchaus Lichtblicke, dass Band 2 besser werden kann. Die Süßigkeiten sind super, die Spannung aufgebaut und die Fabrik wurde entdeckt.
Ich denke jedoch nicht, dass ich mir Band 2 holen werde, dafür sind leider zu viele andere starke Kinderbücher auf dem Markt, die sich inhaltlich nicht gigantisch unterscheiden.
Vielleicht hätte meine Meinung anders ausgesehen, wenn ich nicht zeitgleich in der Duftapotheke stecken würde.
Für andere kann dieses Buch etwas ganz Tolles sein, Geschmäcker sind schließlich stets ein persönliches Empfinden.

Ich vergebe 2,5 von 5 Sternen für eine an sich schöne Geschichte, die mich in ihrer Umsetzung nicht gänzlich überzeugen konnte, was vor allem an den Charakteren und dem langsamen Tempo lag.

Verlag: Fischer KJB
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2020
Buchlänge: 352 Seiten
Print: 15,00 €
eBook: 12,99 €
Als Hörbuch erhältlich

Lieben Dank an 

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