Sonntag, 20. Januar 2019

Emily R. Jacobs - Dein Lied im Schatten der Wälder


Rezension von Susann zu Dein Lied im Schatten der Wälder von Emily R. Jacobs

Erscheinungstermin: 24. Dezember 2018
Seitenanzahl: 518
Erschienen bei Merlin’s Bookshop

Der Klappentext:

„Wenn mich jemand fragen würde, welches Datum für mich bisher das Wichtigste im Leben gewesen war, dann müsste ich ihm antworten, dass es drei für mich gegeben hat. Meine Geburt, den Tag meiner Entführung und jener, an dem mich mein Kidnapper zurückbrachte.

Ich war damals fünf Jahre alt, als ich spurlos in Idaho verschwand und dreizehn, als mich die Polizei aufgrund eines anonymen Anrufs Mitten in Paris aufgreifen konnte. Was sich allerdings in der Zeit dazwischen abgespielt hat, daran kann ich mich nicht wirklich erinnern. Viele aber wollten es von mir wissen. All die Anwälte, meine Therapeutin, aber auch meine Eltern. Nur ich nicht, jedenfalls bis heute.

Nun jedoch, da meine Suche mich in die Wälder des Nemaiah Valley’s und in die Gesellschaft der Indianer bringt, scheint die Antwort darauf greifbar nahe. Da bin ich mir sicher! Genauso wie um die Tatsache, dass neben der fehlenden Erinnerung auch mein Entführer dort auf mich wartet.“

Quelle: http://shop.merlinsbookshop.com/merlinsbookshop-p65h1s32-Dein-Lied-im-Schatte.html


Meine Meinung:

Wenn 8 Jahre deines Lebens in deinen Erinnerungen fehlen, was würdest du tun? Würdest du es hinnehmen und einfach versuchen ein normales, glückliches Leben zu führen oder würdest du dich fragen, was in dieser Zeit passiert ist, ob du manche Charakterzüge durch eben genau diese Zeit bekommen hast? Ich würde, genau wie die Protagonistin Christine, auf die kleinen Zeichen achten und mich auf die Suche nach meinem jüngeren Ich begeben.

Wenn ich Christine am Anfang des Buches mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es wohl „verloren“. Sie lebt in ihrer Heimat, scheint dort aber gar nicht wirklich hinzupassen. Allgemein fühlt sie sich mehr fehl am Platz als alles andere. Nur ihre wenigen Freunde geben ihr Halt. Sie füllen Christines Leben mit Licht. Wie wichtig ihr diese Freundschaften sind, bringt Emily R. Jacobs sehr gut und absolut überzeugend rüber. Durch eine schicksalhafte Begegnung wird sie aber aus ihrem nicht enden wollenden trüben Alltag gerissen und fasst den Mut, sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben. Je mehr man über sie erfährt, desto näher fühlt man sich ihr. Ich konnte ihre Beweggründe immer nachvollziehen und hätte in vielen Situationen genauso oder ähnlich gehandelt. Aus der anfangs verlorenen Christine wird im Verlauf der Geschichte eine starke Frau, die weiß was sie will und wo sie hingehört. Besonders gefallen hat mir, dass Emily R. Jacobs dem Leser zeigt, dass man sich manchmal selbst im Weg steht, sich nur auf etwas vollkommen einlassen muss und dass man im Leben Mut braucht.

Die anderen Charaktere sind jeder auf seine Weise besonders. Nur bei wenigen war ich froh, dass sie nicht allzu häufig vorkamen, aber bei denen war es auch gewollt, dass man sie eher unsympathisch findet. Die anderen konnte ich sehr schnell ins Herz schließen. Ja, das Gefühl war schon fast familiär.

 


Das Buch war für mich in zwei Teile geteilt. In den ersten 200 Seiten lernt man Christine und ihr Umfeld kennen, sie begibt sich auf die Reise in ihre Vergangenheit und muss ihren Weg erst noch finden. Die Spannung baut sich sehr langsam auf und man tastet sich mit Christine voran. Dann passiert etwas eines nachts, was die ruhige Zugfahrt in einen ICE verwandelt. Die Spannung war plötzlich enorm. Ich wollte immer mehr wissen, wie es weiter geht und was als nächstes passiert. Ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Den Schreibstil von Emily mochte ich schon in ihrem Buch „Der Tag, an dem die Kirschblüten fielen ...“. Er ist flüssig und so liest man das Buch schnell durch. Ich konnte mir jederzeit die Charaktere, die Orte und Empfindungen der Charaktere sehr gut vorstellen. – Ich hatte sogar das Gefühl ein Teil der Geschichte zu sein.

Das Ganze wird mit diesem schönen Cover abgerundet, hinter dem mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermutet.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, war die Erklärung der Beweggründe des Entführers am Ende. Allerdings konnte mich das Buch trotzdem auf ganzer Länge überzeugen und sehe dieses kleine Manko nicht als Grund, einen Stern abzuziehen. Deshalb bekommt das Buch 5 von 5 Sternen.


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